Kurze Bücherrezension für trübe Tage

Heute regnet und stürmt es in Norddeutschland, es ist grau und es dunkel. Selbst moderne DSLRs mit Myriaden von Pixeln und einer Empfindlichkeit von zigtausend ISO haben da Schwierigkeiten interessante Bilder zu gestalten. Daher wollte ich euch ein paar Bücher wärmstens ans Herz legen, die zwar kein Ersatz für die Praxis im Feld sind, aber doch interessante Impulse und Ideen liefern können.

Wildlife-Fotografie - Uwe Skrzypczak  blog-1024-22-februar-2017Natur und Tiere fotografieren - M. Botzek, K. Richter

  • Wildlife Fotografie von Christoph F. Robiller, dpunkt.verlag, 2016
  • Wildlife-Fotografie von Uwe Skrzypczak, dpunkt.verlag, 2009
  • Natur und Tiere fotografieren von Markus Botzek und Karola Richter, Galileo Design, 2012

Die drei Bücher unterscheiden sich trotz der ähnlichen Titel in der Herangehensweise zum Teil stark, so berichtet Skrzypczak in seinem Buch über seine langjährigen Erfahrungen bei der Tierfotografie in Ostafrika während Botzek und Richter ihr Buch in kleine Ausflüge sortiert haben, bei denen sie verschiedene Aspekte der Naturfotografie (also auch Makro und Landschaftsfotografie) beschreiben. Natürlich gibt es auch Ähnlichkeiten, so gehen alle Autoren ausführlich auf die grundlegenden Techniken der Fotografie (von Belichtung bis Bildgestaltung) ein, zusätzlich stellen Skrzypczak und Robiller auch noch einen Überblick über die aktuelle Fototechnik und ihre Relevanz für die Naturfotografie dar. Alle Autoren geben in ihren Büchern auch Hinweise für lohnende Orte für die Tier- und Naturfotografie. Dabei handelt es sich bei den beschriebenen Regionen bei Skrzypczak um Orte in Ostafrika, während Robiller Plätze in Deutschland und Nordeuropa empfiehlt. Botzek und Richter beschreiben anhand von Beispielen aus der näheren Umgebung der Autoren eher eine Herangehensweise sich interessante Orte selbstständig zu erschliessen als bekannte Hotspots aufzulisten.

Jedes Buch für sich ist lohnenswert und gut geschrieben. Sie bieten sich jedoch für unterschiedliche Geschmäcker an. Wer schon lange von Afrika träumt findet in Uwe Skrzypzak’s Buch viele hilfreiche Hinweise, um aus der zeitlich begrenzten Erfahrung einer Wildtier-Safari das Beste herausholen zu können. Botzek und Richter beschäftigen sich neben der Tierfotografie auch mit den vielen anderen Möglichkeiten der Naturfotografie und verstehen es sehr gut Hilfestellungen für die tägliche Fotografie in der Heimat zu geben. Zusätzlich beleuchten Sie in jedem Kapitel auch interessante Aspekte fotografischer Techniken bzw. des Umfelds der Fotografie, die in den anderen Büchern teilweise etwas zu kurz kommen. Robiller legt in seinem Buch sehr ausführlich und verständlich, den aktuellen Stand der Technik und auch der zur Verfügung stehenden Techniken dar. So beschäftigt er sich auch mit den Möglichkeiten der Tarnung und gibt sogar einen kurze Anleitung zum Bau eines Schwimmverstecks. In den anschließenden Kapiteln beschreibt er seine persönlichen Erfahrungen an zahlreichen deutschen und nordeuropäischen Fotozielen.

Viel Spass beim Lesen.

 

Fotoverstecke – Die Dritte (Wildlife Watching Supplies Mini Dome Hide)

Heute folgt der dritte und letzte Teil meiner Miniserie über Fotoverstecke. Ich stelle euch heute die Mini Dome Hide (Lightweight) von Wildlife Watching Supplies (im folgenden WWS genannt) vor. Länger könnte der Name kaum sein. WWS ist eine Firma des Naturfotografen Kevin Keatley aus England, sie stellen seit circa 20 Jahren Tarnzelte her. Das hier vorgestellte Zelt ist aus einem imprägnierten Baumwollstoff gearbeitet und wird mit einem Aluminiumgestänge verspannt. Der Boden ist aus einer wasserfesten Kunstfaser, so bleibt der Fotografenhintern trocken, denn man sitzt in diesem Zelt direkt auf dem Boden. Das Zelt ist im aufgebauten Zustand nur 95 cm hoch, 105 cm breit und 160 cm lang. Es wird mit einem Tragbeutel geliefert und läßt sich gegen Aufpreis noch weiter modifizieren. Aufgebaut ist das Zelt mit etwas Übung in weniger als fünf Minuten. Ach ja der Preis, angeboten wird das Zelt beim Hersteller für etwa 195 Britische Pfund, das entspricht bei heutigem Wechselkurs in etwa 235 €. Kein Schnäppchen also, dafür ist es sehr gut verarbeitet und bietet die beste Tarnung der hier vorgestellten Tarnmöglichkeiten. Jedes der drei Fenster ist vollständig verschliessbar, dahinter befindet sich ein Tarnnetz und an der vorderen Öffnung noch zusätzlich ein geteiltes Tarnnetz, dass die Möglichkeit bietet die Kamera hindurch zu stecken. Der Einstieg ins Zelt erfolgt auf der Rückseite, die „Tür“ läßt sich dann mit einer Kombination aus Klettverschlüssen und Bändern schliessen. Im Inneren geht es den Abmessungen entsprechend beengt zu, aber für Fotograf, Kamera, Stativ und den Fotorucksack ist Platz. Ich habe mir für das Zelt einen Bodenstuhl besorgt, damit läßt es sich dann auch für längere Ansitze gut aushalten. Schön ist die bodennahe Perspektive aufgrund der geringen Höhe der Fotoöffnung. Man kann es auch noch auf die Spitze treiben und die eigentlich für ein Stativbein gedachte Öffnung darunter nehmen, um Fotos nahezu auf Bodenhöhe zu schießen und damit das Objekt schön vom Hintergrund frei zu stellen.

Frontalansicht WWS Mini Dome Hide
Frontalansicht WWS Mini Dome Hide

Das Zelt bietet allerdings nur eingeschränkten Schutz vor den Elementen, denn wasserdicht ist es bei stärkeren Regen nicht. Im Sommer kann es auch ordentlich warm werden und nur bei Wind und geöffneten Seitenfenstern  kommt eine kühlende Brise durch das Zelt. Will man das Zelt über mehrere Tage vor Ort lassen, um die Tiere an den Anblick zu gewöhnen, empfiehlt es sich einen geschützten Ort zu wählen. Gegen Wind kann man das Zelt mit den mitgelieferten Heringen sichern.

Fotoöffnung WWS Mini Dome Hide
Fotoöffnung WWS Mini Dome Hide

Qualität    –    sehr gut

Komfort    –    ausreichend

Tarnung   –    sehr gut

 

 

 

 

 

Ich hoffe euch hat die kleine Reise durch die von mir verwendeten Tarnmöglichkeiten gefallen. Natürlich gibt es noch viele weitere Möglichkeit sich zu tarnen.

2. Teil zum Thema Tarnen – Die schnelle Variante Kiwi Camo Tarnüberwurf

Heute stelle ich euch die zweite Möglichkeit mich der Wahrnehmung der Tiere zu entziehen. Der Tarnüberwurf von Kwik Camo ist leicht, aus Baumwolle und extrem schnell angelegt. Er wird einfach über das Stativ mit Kamera und Fotografen geworfen und schon kann es los gehen. Es bietet für das Objektiv eine Öffnung, die nach unten über einen Klettverschluss noch erweitert werden kann. Oberhalb der Kamera befindet sich ein Netz, durch das man als Fotograf den Überblick behalten kann (auf den Fotos vielleicht nicht so gut zu erkennen, da mir zwei Pflanzstangen als Fotografenattrappe dienten). An beiden Seiten gibt es zwei Öffnungen, um bei Bedarf mit den Händen nach ausserhalb zu greifen. Der ganze Tarnumhang ist groß genug, um einem ca. 180cm großen Fotografen Platz zu bieten und dann immer noch bis zum Boden zu reichen. Bei größeren Personen könnte es sonst passieren, das der Stoff über dem Boden schwebt. Zusammengelegt passt der Überwurf in eine ca. 25×30 cm große mitgelieferte Tragetasche mit Hüftgurt. Der Tarnüberwurf wird aktuell für ca. 150 € im Internet-Handel angeboten.

 

Kwik Camo Tarnüberwurf
Kwik Camo Tarnüberwurf

Der offensichtliche Vorteil der Tarnüberwurf ist die Flexibilität, er ist schnell übergeworfen und man hat immer noch die Möglichkeit seine Position mit dem Überwurf zu verändern. Das kann oft wichtig werden, um seine Perspektive und damit den Hintergrund zu verändern. Jedoch wird man damit scheure Arten nur überlisten können, wenn man einen Ort findet, von dem man sich nicht abhebt. Jede Bewegung im Überwurf wird über den Stoff übertragen und ist potentiell sichtbar. Man hat darüberhinaus keinerlei Schutz vor den Elementen und kann die Tiere auch nicht an den Überwurf gewöhnen. Eine sehr gute Möglichkeit zum Einsatz besteht, meiner Erfahrung nach, als zusätzliche Tarnung beim Fotografieren aus dem Auto. Hier kann man den Stoff über das am Autoscheibenstativ befestigte Kameraequipment und den Fotografen stülpen und wird insbesondere von vielen Kleinvögeln kaum noch wahrgenommen.

QuikCamo-0416-13. Juli 2016

Das Urteil:

Qualität       –    befriedigend

Platz und Komfort       –     ausreichend

Tarnung      –     befriedigend